Schon wenige Kilometer hinter der rumänischen Grenze fühlt es sich für uns an, als wären wir in eine andere Zeit versetzt worden.
Immer wieder begegnen uns Pferdefuhrwerke, die langsam über die Straßen fahren. Ein Anblick, der für uns zunächst ungewohnt ist und irgendwie wie aus einer anderen Epoche wirkt.
Gerade im ländlichen Raum fällt es uns manchmal schwer zu glauben, dass diese Orte Teil der Europäischen Union sind und eigentlich zu unserer modernen europäischen Welt gehören.
Gleichzeitig ist genau dieser Kontrast das, was uns an Rumänien sofort fasziniert.
Zwischen ursprünglichen Dörfern, wilden Landschaften, modernen Städten und einer beeindruckenden kulturellen Vielfalt beginnt für uns eine ganz besondere Etappe unserer Reise mit dem Camper.
Unser erstes Ziel: Cluj-Napoca, das Herz Transsilvaniens.
Cluj-Napoca: Studentenstadt im Herzen Transsilvaniens
Der Grund für unsere Reise nach Cluj ist die Volleyball-Europameisterschaft, die mein Mann als Volley Insider journalistisch begleitet.
An drei Spieltagen ist er live vor Ort und wir nutzen die Gelegenheit, um gleichzeitig einen Teil Rumäniens zu entdecken.
Während Ede im Stadion ist, erholen Hannah und ich uns von den langen Fahrtagen der vergangenen Tage. Auch ein wenig Arbeit wartet auf mich.
Die drei Tage auf einem etwas außerhalb gelegenen Campingplatz kommen da gerade recht.
Wir können durchatmen, Wäsche waschen, arbeiten und einfach einmal ein bisschen langsamer machen.
Unsere gemeinsame Zeit gehört dann ganz der Stadt.
Cluj-Napoca, häufig einfach Cluj genannt, liegt im Nordwesten Rumäniens und gilt als inoffizielle Hauptstadt Transsilvaniens. Mit rund 300.000 Einwohnern und einer großen Studentenschaft ist Cluj eines der wichtigsten Bildungs-, Kultur- und Wirtschaftszentren des Landes.
Die Geschichte der Stadt reicht weit zurück. Bereits die Römer gründeten hier die Siedlung Napoca. Später wurde Cluj über Jahrhunderte von ungarischen Einflüssen geprägt, bevor die Stadt Teil des modernen Rumäniens wurde.
Heute treffen hier historische Gebäude, Studentenleben, moderne Cafés und ein lebendiges Nachtleben aufeinander.
Und genau diese Mischung gefällt uns.



Sehenswürdigkeiten in Cluj-Napoca
Unser Spaziergang führt uns zunächst zur Piața Unirii, dem zentralen Platz der Stadt.
Hier steht die imposante Michaelskirche, eines der bedeutendsten gotischen Bauwerke Rumäniens. Direkt davor befindet sich das Reiterstandbild von Matthias Corvinus, der im 15. Jahrhundert König von Ungarn und Kroatien war und in Cluj geboren wurde.
Nur wenige Schritte entfernt liegt das barocke Bánffy-Palais, das heute das Kunstmuseum von Cluj beherbergt.
Wer zwischendurch etwas Ruhe sucht, findet im Alexandru-Borza-Botanischen Garten eine grüne Oase mitten in der Stadt. Auf dem weitläufigen Gelände wachsen tausende Pflanzenarten aus verschiedenen Regionen der Welt.
Wir lassen uns einfach treiben und genießen es, ohne großen Zeitplan unterwegs zu sein.



Vegan essen in Cluj
Natürlich darf bei unserer Reise auch das Essen nicht fehlen.
Cluj hat sich in den vergangenen Jahren zu einer der spannendsten Städte Rumäniens für Vegetarier und Veganer entwickelt.
Auch wenn wir diesmal kein rein veganes Restaurant besuchen, kommen wir kulinarisch voll auf unsere Kosten.
Bei Samsara Earth Food gönnen wir uns ein mehrgängiges Menü und sind begeistert von der kreativen pflanzenbasierten Küche.
Danach geht es noch zu Undulce, wo wir uns ein paar Leckereien für später mitnehmen.
Für uns einmal mehr der Beweis: Vegan reisen in Rumänien ist deutlich einfacher, als wir vor unserer Reise erwartet hatten.
Cluj mit Hund
Besonders positiv überrascht uns, wie hundefreundlich Cluj ist.
Hannah wird vielerorts freundlich empfangen und an zahlreichen Stellen finden wir Wasserspender oder Näpfe für Hunde.
Auch die öffentlichen Verkehrsmittel dürfen Hunde nutzen. Sie müssen angeleint sein, größere Hunde benötigen außerdem einen Maulkorb.
Nach drei Tagen heißt es für uns trotzdem: weiter.
Wir fahren landeinwärts in Richtung Brașov.



Mit Hund durch die Karpaten
In der Gegend rund um Brașov lebt eine Freundin von uns in Sfântu Gheorghe.
Wir verbringen dort einige Zeit mit ihrer Familie, gehen gemeinsam wandern und sammeln Gräser, die sie für ihr Handwerk benötigt.
Die Landschaft verändert sich dabei noch einmal deutlich.
Wir befinden uns mitten in den Karpaten. Die Region ist geprägt von dichten Wäldern, Bergen und einer außergewöhnlich artenreichen Natur.
Und plötzlich entdecken wir sogar frische Bärenspuren.
Keine Seltenheit in den naturbelassenen Wäldern Rumäniens.
Für uns ist das ein besonderer Moment – aber auch eine Erinnerung daran, dass wir uns hier tatsächlich in einem Lebensraum befinden, in dem Wildtiere wie Braunbären noch relativ weit verbreitet sind.
Wer mit Hund in den rumänischen Bergen unterwegs ist, sollte sich deshalb unbedingt vorher informieren, wie man sich bei einer Begegnung mit Wildtieren richtig verhält.
Wir bleiben aufmerksam, halten Hannah nah bei uns und genießen ansonsten einfach die Ruhe.
Nach zwei Tagen heißt es wieder Abschied nehmen.
Unser nächstes Ziel ist Bukarest.






Tierschutz in Rumänien: Ein Besuch bei Helping Animals Romania
Als wir beschlossen haben, eine Reise nach Rumänien zu unternehmen, war für mich sofort klar:
Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um mich vor Ort für den Tierschutz zu engagieren.
Schon vor unserer Reise habe ich Kontakt zu einer Tierschutzorganisation aufgenommen. Ich möchte einen Einblick in deren Arbeit bekommen, mehr über die Situation der Tiere erfahren und gleichzeitig etwas mitbringen, das dringend gebraucht wird.
Deshalb haben wir rund 70 Kilogramm Hundefutter in unserem Camper dabei.
Unser Weg führt uns durch die beeindruckende Berglandschaft der Karpaten weiter Richtung Süden.
Etwas außerhalb von Bukarest liegt die „Island of Hope“, wie Helping Animals Romania den sicheren Ort für die geretteten Tiere nennt.
Zum Zeitpunkt unseres Besuchs leben dort mehr als 300 Hunde.
Wir bringen unser mitgebrachtes Futter vorbei und verbringen anschließend mehrere Stunden im Shelter.
Die Tierschützer zeigen uns ihre Arbeit, wir lernen viele der Hunde kennen und bekommen einen Einblick in den Alltag vor Ort.
Für mich ist dieser Besuch unglaublich emotional.
Es ist eine Erfahrung, die ich nicht einfach abschütteln kann.
Während wir durch das Shelter gehen, denke ich immer wieder an Hannah.
An diesem Abend schließe ich meine Tierschutzhündin besonders fest in die Arme und versuche, ihr all die Liebe zu geben, die viele der Tiere, die ich an diesem Tag gesehen habe, vielleicht nie erfahren werden.
Für mich ist dieser Besuch einer der emotionalsten Momente unserer gesamten Rumänien-Reise.
Es ist bereits spät, als wir das Shelter verlassen.
Für die Nacht suchen wir uns noch einen Rastplatz, bevor es am nächsten Morgen weiter nach Bukarest geht.
Meine ausführliche Tierschutz-Reportage findet ihr hier.



Bukarest: Zwischen Prunk, Verfall und veganer Küche
Die vergangenen Tage haben uns unglaublich viele Eindrücke beschert.
Während die Städte vielerorts modern und europäisch wirken, scheint die Zeit auf dem Land manchmal stehen geblieben zu sein.
Doch keine Stadt verkörpert diesen Kontrast für uns so eindrucksvoll wie Bukarest.
Die rumänische Hauptstadt wird aufgrund ihrer breiten Boulevards, historischen Architektur und teilweise französisch beeinflussten Stadtplanung gerne als „Paris des Ostens“ bezeichnet.
Und tatsächlich wirkt Bukarest auf uns wie eine Stadt voller Gegensätze.
Goldene Kuppeln treffen auf bröckelnde Fassaden.
Monumentale Gebäude stehen neben verlassenen Häusern.
Dazwischen Cafés, Restaurants, Street Art und überraschend viele Möglichkeiten, vegan zu essen.
Bukarest passt irgendwie in keine Schublade.
Sehenswürdigkeiten in Bukarest
Schon bei unserer Fahrt durch die Stadt fällt uns die monumentale Nationale Kathedrale ins Auge.
Die gewaltigen Ausmaße und die goldenen Details sind kaum zu übersehen. Das Bauwerk ist die größte orthodoxe Kirche Rumäniens und gehört zu den markantesten neuen Bauwerken der Hauptstadt.
Direkt daneben befindet sich der gigantische Parlamentspalast.
Das Gebäude stammt aus der kommunistischen Ära und gehört zu den flächenmäßig größten Verwaltungsgebäuden der Welt.
Für uns ist es schwer, die Dimensionen wirklich zu erfassen.
Monumentaler Prunk trifft hier auf die Spuren einer bewegten Vergangenheit.
Und genau dieser Gegensatz macht Bukarest für uns so faszinierend.
Wir parken unseren Camper und machen uns zu Fuß auf den Weg in die Altstadt.






Bukarest zu Fuß entdecken
Rund um die belebten Plätze sind viele historische Gebäude restauriert worden. Cafés und Restaurants laden zum Verweilen ein.
Doch sobald wir in die Nebenstraßen abbiegen, verändert sich das Bild.
Hier bröckelt noch immer der Putz von alten Fassaden. Manche Gebäude wirken verlassen, andere wurden bereits liebevoll restauriert.
Es ist morbide, charmant und faszinierend zugleich.
Wir entdecken die Saint Nicholas Russian Church, das Stavropoleos-Kloster und den Universitätsplatz.
Das Stavropoleos-Kloster gefällt uns besonders gut. Der kleine Innenhof mit seinen kunstvollen Details wirkt wie eine ruhige Oase mitten im Trubel der Stadt.
Und natürlich kommt irgendwann der Moment, an dem wir Hunger bekommen.
Vegan essen in Bukarest
Bukarest überrascht uns mit einem erstaunlich großen veganen Angebot.
Wir lassen uns zum Lunch nieder und schlemmen uns durch die vegane Karte.
Nach den vergangenen Tagen in eher ländlichen Regionen hätten wir mit dieser Vielfalt nicht unbedingt gerechnet.
Doch gerade Bukarest zeigt uns, wie modern und international Rumäniens Hauptstadt inzwischen ist.
Auch Hannah wird herzlich empfangen und bekommt Wasser und Snacks.
Überhaupt erleben wir die Stadt als überraschend hundefreundlich. Hunde sind vielerorts willkommen, auch wenn es natürlich einzelne Orte und historische Gärten gibt, in denen Vierbeiner nicht erlaubt sind.
Auf unserem Rückweg beobachten wir noch eine Frau, die Straßenkatzen füttert.
Die Tiere leben zwischen den alten Gebäuden und Ruinen mitten in der Stadt.
Ein Anblick, der uns noch einmal an die vielen Straßen-Tiere erinnert, die unseren Weg durch Rumänien begleitet haben.
Wir sind erschöpft von den vielen Eindrücken der letzten Tage.
Rumänien hat uns überrascht. Nicht immer auf die einfache oder schöne Art.
Aber genau das macht dieses Land für uns so besonders.
Rumänien ist kein Land, das sich innerhalb weniger Tage vollständig entdecken lässt.
Und vielleicht ist genau das der Grund, warum wir irgendwann gerne wiederkommen möchten.
Jetzt ist es aber Zeit für uns, langsam den Weg Richtung Heimat einzuschlagen.
Müde und überwältigt fahren wir weiter.
Die Sonne steht tief und taucht die Landschaft in goldenes Licht, als wir auf die Autobahn Richtung Westen auffahren.
Hinter uns liegen unzählige Kilometer, neue Eindrücke, besondere Begegnungen und eine Reise, die uns noch lange beschäftigen wird.
Vor uns liegen Serbien und Kroatien.






Restaurant-, Camping- und Reisetipps für Rumänien
Cluj-Napoca
Samsara Earth Food
@samsara.earthfood
Undulce
@undulce.ro
Camping-Tipp:
@camping_colina
Bukarest
Sublimmme
@sublimmme.ro
Tierschutz
Helping Animals Romania – Island of Hope
Die Organisation setzt sich für gerettete Hunde in Rumänien ein. Wer die Arbeit unterstützen möchte, kann sich vorab über aktuelle Möglichkeiten für Spenden und Hilfe informieren.
Für die Reise mit Hund
Wer mit Hund durch Rumänien reist, sollte für Wanderungen in den Karpaten besonders aufmerksam sein. In einigen Regionen leben viele Wildtiere, darunter Braunbären. Außerdem empfiehlt es sich, vor der Reise die aktuellen Bestimmungen für Hunde im öffentlichen Nahverkehr und an Sehenswürdigkeiten zu prüfen.


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